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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Erwachsenenbildung in der Coronakrise: Jetzt gerechte Arbeitsverhältnisse schaffen!

Geschrieben von: 
Webredaktion
GEW und das Bündnis der DaF/DaZ Lehrkräfte stellen Forderungen zur Wiederaufnahme der Bildungsarbeit auf
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Ab dem 13.05.20 sind laut Covid 19-Eindämmungsverordnung unter anderem Veranstaltungen in der Erwachsenenbildung in Hamburg wieder erlaubt. Die Träger treffen aktuell Vorbereitungen, die Präsenzveranstaltungen wieder an den Start zu bringen.

„Wir begrüßen natürlich, dass die Berufsausübung für Lehrkräfte in der Erwachsenbildung wieder möglich ist“, kommentiert Dirk Mescher, Geschäftsführer der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hamburg)
Detlef Zunker, Sprecher der Fachgruppe Erwachsenbildung der GEW Hamburg:  „Der Teufel steckt aber buchstäblich im Detail. Etwa 70 % der Lehrenden in diesem Bereich arbeiten auf Honorarbasis. Bei einer Erkrankung haben sie keinerlei Absicherung oder Lohnfortzahlung. Das ist schon zu normalen Zeiten ein Skandal. Bei einer Corona-Erkrankung droht ihnen der berufliche Ruin. Dieses Risiko können die Lehrkräfte unmöglich alleine tragen. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, gerechte Arbeitsverhältnisse in der Erwachsenenbildung zu schaffen! Die Träger müssen jetzt feste tariflich geregelte Arbeitsverhältnisse für ihre Lehrkräfte schaffen! Zu den entsprechenden Verhandlungen ist die GEW jederzeit gesprächsbereit. Bis dahin muss gesichert werden, dass auch die Honorarkräfte eine hälftige Beteiligung an der Krankenversicherung erhalten sowie eine Weiterzahlung der Bezüge, analog der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.“

Wie die Kursteilnehmer*innen sind die Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung besonders gefährdet, da in vielen Betrieben der Erwachsenenbildung die Corona-Abstandsregeln bei vollen Kursen nicht im geringsten eingehalten werden können. Die Träger müssen auf dieser Grundlage jetzt Hygienepläne erarbeiten.

„Wir fordern die Mitbestimmung und Beteiligung der Lehrkräfte und ihrer betrieblichen Interessenvertretungen bei den Hygieneplänen. Die Träger müssen Teilnehmer*innen und Kursleiter*innen Mund-Nasen-Masken in ausreichender Anzahl zur Verfügung stellen. Da wegen der vielfach beengten Raumsituationen volle Kurse nicht abstandsgerecht durchzuführen sind, fordern wir von den staatlichen Finanzierern wie BAMF und Bundesagentur von Kursen die Verdopplung des Teilnehmer*innenzuschüsse. Nur so wird gesichert, dass Kurse unter Corona-Regeln stattfinden können und von den Trägern auch Unterricht in kleinen Gruppen wirtschaftlich durchführbar ist“, fasst Dirk Mescher die GEW-Forderungen zusammen.

Hierzu erläutert Dr. Claudia Liehr-Molwitz aus dem Sprecherteam des bundesweiten Bündnisses DaF/DaZ-Lehrkräfte:

„Entgegen der Ankündigung der Bundesregierung prüft das Jobcenter minutiös, was freiberufliche Lehrkräfte auf dem Konto haben. Es dauert bis zu einem Monat, bis ALG II bewilligt wird. Einerseits wollen wir schnell wieder unterrichten, andererseits haben wir Angst vor Ansteckung, da viele Träger nur über kleine, enge Räume verfügen. Wovon sollen wir denn leben, wenn wir krank sind oder einfach wegen Husten oder Fieber von unseren Auftraggebern nach Hause geschickt werden? Deshalb unterstützen wir die Initiative der GEW Hamburg nach gerechten Tarifverträgen und einer Absicherung des Gesundheitsrisikos in der Coronazeit auch für die Honorarbeschäftigten.“

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de