Die von der GEW Hamburg beauftragte und durch die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH durchgeführte Befragung zeigt ein deutlich belastendes Arbeitsumfeld für die pädagogischen und therapeutischen Fachkräfte (PTF) an Hamburger Schulen. Im Vergleich zu den Referenzgruppen (COPSOQ-Gesamt, Erziehungsberufe, Sozialarbeit/-pädagogik) liegen ihre Werte bei den quantitativen und emotionalen Anforderungen sowie beim Verbergen von Emotionen signifikant höher – ein klarer Hinweis auf überdurchschnittliche Belastung. Auch Work-Privacy-Konflikte und die Entgrenzung von Beruf und Privatleben treten deutlich häufiger auf.
Bei positiven Faktoren wie Einflussmöglichkeiten, Wertschätzung, Unterstützung durch Kolleg*innen und Führungskräfte schneiden die PTF dagegen schlechter ab als die Vergleichsgruppen. Besonders problematisch sind die geringen Werte für Feedback, Rollenklarheit und Führungsqualität.
Die spezifischen Skalen für Schulen verdeutlichen weitere kritische Punkte: hohe Konfliktzahlen mit Eltern, mangelnde Unterstützung von Eltern/Betrieben, unzureichende Ausstattung und Räumlichkeiten sowie eine geringe interne und externe Anerkennung. Gleichzeitig werden fachliche Unterstützung und Erholungsmöglichkeiten etwas positiver bewertet. Alarmierend sind die stark erhöhten Werte für verbale Aggression und körperliche Gewalt durch Schüler*innen.
Der interne Vergleich macht Unterschiede sichtbar:
- Schulformen: Berufsschulen und Gymnasien berichten von besonders hohen Anforderungen und geringen Erholungsmöglichkeiten; Sonderschulen zeigen dagegen höhere Wertschätzung und weniger Unsicherheit.
- Tätigkeiten: Sozialpädagog*innen und Erzieher*innen sind besonders stark von hohen Anforderungen, Rollenkonflikten und mangelnder Unterstützung betroffen. Therapeut*innen berichten von günstigeren Bedingungen bei Führungsqualität und kollegialer Unterstützung, bemängeln aber deutlich ihre schlechtere Tarifierung im Vergleich zu ihren PTF-Kolleg*innen.
Insgesamt ergibt sich ein Bild hoher Belastung bei gleichzeitig mangelnder Anerkennung und Unterstützung. Besonders die Kombination aus hohen Anforderungen, geringer Erholung und häufiger Gewaltbelastung weist auf dringenden Handlungsbedarf hin.
Die Ergebnisse machen deutlich: Das gesamte pädagogisch-therapeutische Fachpersonal ist an vielen Stellen überdurchschnittlich belastet. Gleichzeitig gibt es kein „PTF“ als einheitliche Gruppe, sondern verschiedene Professionen mit unterschiedlichen Belastungen.
„Die Befragung bestätigt noch einmal die hohen Belastungen, die ja auch durch den hohen Krankenstand im PTF deutlich geworden ist. Hier bedarf es dringend Entlastungen durch Stellenzuweisungen, Supervision und Unterstützung der Kolleg*innen in Krisensituationen. Die Forderung des GEW nach einer Dienstvereinbarung für Altersgerechtes Arbeiten gilt natürlich auch für das PTF. Gleichzeitig darf die Behörde die einzelnen Professionen nicht ‚gleichmachen‘, sondern muss sie differenziert betrachten. Nötig ist jeweils eine eigene Fachaufsicht – statt bisher einer Grundsatzreferentin für alle – sowie schulformübergreifende Gefährdungsbeurteilungen für die einzelnen Berufsgruppen“, fordert Bodo Haß, stellvertretender Vorsitzender der GEW Hamburg.
Hervorzuheben ist insbesondere der schlechte Wert beim Spielraum für Pausen. In diesem Bereich werden Werte erzielt, die um mehr als 50 % schlechter sind als die Werte der Vergleichsgruppen. Bei der Analyse der einzelnen Teilbereiche zeigt sich, dass vor allem bemängelt wird, dass die Erholungspausen als nicht erholsam angesehen werden, es zu wenige Erholungspausen gibt und die Belange der Schüler*innen in dieser Zeit zu viel Raum einnehmen.
„Neben besseren räumlichen Erholungsmöglichkeiten an den Schulen müssen auch Strukturen geschaffen werden, damit die Kolleg*innen ihre tägliche Erholungspause effektiver nutzen können“, fordert Daniel Heitmann, Fachgruppensprecher der Fachgruppe PTF. „Die Rückzugsmöglichkeiten an den meisten Schulen sind oft mangelhaft und die effektive Pausenzeit oft weit weniger als die gesetzlich vorgeschriebene halbe Stunde am Tag.“
| Anhang | Größe |
|---|---|
| 132.19 KB | |
| 472.76 KB |

