Die Kampagne „Schule zeigt Haltung“ war auch auf der didacta 2026 in Köln präsent. Bei einer Podiumsdiskussion gab es Argumente und Ratschläge, um menschen- und demokratiefeindliche Vorfälle an Schulen zu bekämpfen.
„Es kann in einer demokratischen Gesellschaft keinen Neutralitätsanspruch an Bildung geben“. Das betonte Steve Kenner von der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen der didacta in Köln stattfand. Kenner erinnerte an den Schutz der Menschenwürde in Artikel 1 des Grundgesetzes. Dies sei „das Fundament, auf dem wir Bildungsarbeit entwickeln“. Er verwies zudem auf den Grundsatz, dass Kontroversen in Wissenschaft und Politik als solche im Unterricht wiederzugeben sind. Allerdings gebe es heute autoritäre Kräfte, die die Demokratie in Frage stellten. „Das ist keine Kontroverse. Dazu darf man sich nicht neutral verhalten.„“
Bei menschenfeindlichen Positionen nicht schweigen
Moderiert wurde das Podium von Dietmar Kress, bei Greenpeace Deutschland für Bildung zuständig. Auch der Göttinger Lehrer Tarek Zaibi, der auf Instagram den Kanal @Edutarek betreibt, betonte: Lehrkräfte seien im Unterricht „verpflichtet, rote Linien zu ziehen“. Und zwar dann, „wenn die Würde des Menschen angetastet ist“. Als Beispiel nannte er die Aussage „Wir müssen an der Grenze Schusswaffen gebrauchen“. Diese Position verstoße gegen die Verfassung. „Und wir haben einen Eid auf die Verfassung geschworen.“ Wer nicht widerspreche, verschaffe diesen politischen Haltungen „Legitimation“. Zaibi weiter: „Das darf an Schulen nicht passieren.“ Applaus des Publikums. Rund 100 Messe-Besucher*innen, darunter viele junge Menschen, verfolgten die Podiumsdiskussion.
Schüler*innen sollen mitgestalten
Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, sieht rechtsextreme Vorfälle an Schulen auch „im Kontext der mentalen Gesundheit“. Wenn es Schüler*innen nicht gut gehe, fehle es auch an „politischer Resilienz“, erklärte die angehende Abiturientin. Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern scheuten sich oftmals, Hakenkreuz-Schmierereien oder das Zeigen das Hitler-Grußes öffentlich zu machen. „Sie wollen den Ruf der Schule nicht riskieren“, kritisierte Kirchhoff. Es gelte, Schüler*innen mehr Möglichkeiten einzuräumen, Schule mitzugestalten. „Demokratie fängt da an, wo man sie selbst machen kann.“ Und: Wer Selbstwirksamkeit erlebe, „gestaltet später auch die Gesellschaft mit“.
Nora Oehmichen, 1. Vorsitzende von Teachers for Future, berichtete, wie die Kampagne entstanden ist. Auslöser war die Präsenz der AfD auf der didacta 2025, die in Stuttgart stattfand. „Wie gehen wir damit um?“, hätten sich viele Messe-Aussteller gefragt. An jedem Messetag um 12 Uhr versammelten sich darauf Menschen in einer der Hallen, um ein Protestlied anzustimmen. „Jeden Tag wurden es mehr“, so Oehmichen. „Das war ein empowernder Moment“. Das damals gegründete Bündnis startete darauf „Schule zeigt Haltung“. „Wir brauchen mehr Aufklärung“, forderte Oehmichen. Auch ein Monitoring demokratiefeindlicher Vorfälle an Schulen sei nötig.
Lehrkräfte stärken - jetzt!
Anja Bensinger-Stolze, im GEW-Vorstand zuständig für Schule, bezeichnete das Jahr 2018 als „Wendepunkt“. Damals habe die AfD in Hamburg ein Internet-Portal geschaffen, um Lehrkräfte an den Pranger zu stellen, weil sie sich im Unterricht angeblich nicht politisch neutral verhalten. Schüler*innen seien aufgefordert worden, Lehrerinnen und Lehrer zu bespitzeln und zu melden. Die GEW habe sofort reagiert, etwa mit Information. „Uns hat außerdem geholfen, dass wir uns vernetzt haben“, etwa mit dem DGB und der Landesschüler*innenvertretung von Hamburg. Ähnliche Portale habe die AfD in anderen Bundesländern geschaffen. „Versucht, euch in den Schulen zusammenzutun“, so Bensinger-Stolze. „Dann bekommen wir auch Kraft und können uns wehren.“
Foto: Dietmar Kress, Anja Bensinger-Stolze, Steve Kenner, Amy Kirchhoff, Nora Oehmichen, Tarek Zaibi (v.l.n.r., Foto: © Patricia Kühfuss / Greenpeace)

