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"Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch"

Geschrieben von: 
Webredaktion
Gewalt gegen Beschäftigte muss aufhören
Foto: DGB HH

Pöbeleien, Bedrohungen, körperliche Attacken - viel zu oft werden Hamburger Beschäftigte im öffentlichen und privatisierten Sektor angegangen.  

Thomas Scheel, Busfahrer und Betriebsrat bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein: „Beleidigungen, Spuck-Attacken – das kennen Kolleginnen und Kollegen leider alles nur zu gut. Aber die wenigsten reden noch drüber. Das gehört schon dazu.“ 

Claudia Buch, Restaurantleiterin im Fernverkehr der Deutschen Bahn: „Ich habe einmal schlechte Erfahrungen mit Fußballfans gemacht und bis heute Angst vor großen Menschengruppen, besonders wenn diese angetrunken sind. Durch Corona haben die Aggressionen leider eher zugenommen.“

Sven Quiring, Lehrer: „Es gibt Kolleg/-innen, die Opfer von schwerer Gewalt werden und danach Angst haben, die Schule zu betreten. Die lassen sich versetzen oder sind am Ende sogar dienstunfähig.“

Niels Sahling, Polizist: „Egal, wie unsere Dienstkleidung aussieht: Wir sind auch nur Menschen und wollen mit Respekt behandelt werden.“

Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund die Initiative „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ ins Leben gerufen.  

Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger: „Da läuft eindeutig etwas schief. Wer sich für unsere Gesellschaft einsetzt, darf keine Angst vor Gewalt oder Beschimpfungen haben müssen. Wir brauchen einen Bewusstseinswandel, aber auch Maßnahmen von Arbeitgebern und Politik.“ 

Bundesweit kommt eine 2020 im Auftrag des DGB durchgeführte Umfrage zu dem Ergebnis, dass 67 Prozent der befragten Beschäftigten in den letzten zwei Jahren Beleidigungen, Bedrohungen und tätliche Angriffe erlebt haben und 57 Prozent sagen, dass die Gewalt in den letzten zehn Jahren zugenommen hat. 

2019 gab es laut einer Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg allein 1.939 Straftaten gegenüber Polizeivollzugsbeamten, sowie 87 Übergriffe auf Feuerwehrleute. In vielen anderen Bereichen werden Zahlen nicht einmal erfasst. Grund genug für die Forderung nach einer systematischen Erfassung von Übergriffen in Hamburg.

Weitere Forderungen:

- Ein öffentlicher Bewusstseinswandel

- Personalaufbau und bessere Ausstattung der Beschäftigten

- Schulungen, z.B. zu Deeskalationsstrategien und Gesundheitsmanagement

- Führungskräfte sensibilisieren

- Mehr Investitionen in Infrastruktur und Daseinsvorsorge

- Die Einrichtung von Sonderdezernaten zur Strafverfolgung von Übergriffen

Weitere Informationen: https://hamburg.dgb.de/presse/++co++fb9710c8-f0f7-11ea-96a6-001a4a160123  und https://mensch.dgb.de/