GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Veranstaltung zum Internationalen Frauentag 2019

Geschrieben von: 
Webredaktion
Bericht zur Lesung von Carmen Korn aus „Zeitenwende“
Foto: AfGG

---mit Grußwort von Anja Bensinger-Stolze---

Die diesjährige Veranstaltung der GEW Hamburg zum Internationalen Frauentag fand bereits am 28. Februar 2019 statt. Der AfGG – Ausschuss für Gleichstellungs- und Genderpolitik – hatte zur Lesung mit der Hamburger Autorin Carmen Korn eingeladen. Diese las aus Zeitenwende, dem dritten Teil ihrer Trilogie über vier Freundinnen – alle um 1900 geboren: Sie konnten 1919 erstmals wählen, sofern sie bereits volljährig, also 21 Jahre alt waren.

Rund 100 Frauen und einige Männer sind an diesem frühen Abend ins Curio-Haus gekommen, um Carmen Korn zu lauschen. Die Stimmung ist erwartungsfroh, Imbiss- und Getränkestand werden rege genutzt, Gespräche und Lachen sind zu hören. Die eine oder andere nutzt noch schnell die Gelegenheit, sich am Bücherstand den neuesten Band zu kaufen.

Zunächst begrüßt die Hamburger GEW-Vorsitzenden Anja Bensinger-Stolze die Anwesenden. In ihrer Ansprache schlägt sie einen Bogen von der Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen vor 100 Jahren zu den heutigen Forderungen nach einer paritätischen Besetzung der Parlamente.

Nach einer kurzen Einführung liest Carmen Korn eine Stunde lang. Die von ihr gewählten Ausschnitte lassen die handelnden Personen unmittelbar plastisch werden. Die klare, schnörkellose Sprache der Autorin reißt die Zuhörenden mitten hinein in deren Verbindungen und Konflikte. Biografische Wendungen überzeugen im Licht der skizzierten historischen Ereignisse und sich wandelnden gesellschaftlichen Normen. Eine knappe weitere Stunde lässt Carmen Korn die Zuhörenden an ihren Recherchen zu der dreibändigen Romanreihe teilhaben und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Ungemein anschaulich und lebendig erzählt die Schriftstellerin beispielsweise von Spaziergängen und Gesprächen mit Menschen aus ihrer Nachbarschaft auf der Uhlenhorst; von ihrer Kindheit und Einblicken in die Musikszene durch ihren Vater, von Geschichten ihrer Verwandtschaft in Köln; und schließlich von Begegnungen und Ereignissen in ihrem langen Berufsleben als Journalistin. Dieser Erinnerungsschatz „wollte raus“, musste zu Papier gebracht werden. Mittlerweile sind die ersten beiden Bände in mehrere Sprachen übersetzt und eine Verfilmung der Trilogie ist in Planung.

Abschließend nimmt sich Carmen Korn, wie schon in der Pause, nochmals Zeit für das Signieren ihrer Bücher und Gespräche mit begeisterten Leserinnen. Die Organisatorinnen freuen sich mit der Autorin über einen rundum gelungenen Abend.

Foto: AfGG

 

Grußwort von Anja Bensinger-Stolze

Sehr geehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Frau Korn,

ich freue mich Sie alle hier bei der GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft – anlässlich der Frauenwoche begrüßen zu dürfen. Herzlich Willkommen! Als erstes möchte ich meinen Dank für die Vorbereitung und Organisation dieser Veranstaltung den Mitgliedern des Ausschuss für Gleichstellungs- und Genderpolitik aussprechen. Vielen Dank!

Die diesjährige Frauenwoche anlässlich des Internationalen Frauentag will Brücken schlagen. Brücken  zwischen gestern, heute und morgen. Gestern, nämlich 1918, wurde in Deutschland das passive und aktive Wahlrecht für Frauen eingeführt. Und fast vor genau 100 Jahren am 19. Januar 1919 fand die Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt, an der Frauen als Wählerinnen und Gewählte zum ersten Mal teilnahmen. Über 80% der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab. 300 Frauen kandidierten. Von den insgesamt 423 Abgeordneten zogen 37 Frauen in die Nationalversammlung ein. Marie Juchacz, die als erste Frau eine Rede in der Nationalversammlung hielt, stellte am 19. Februar 1919 fest: „Meine Herren und Damen! Es ist das erste Mal, dass in Deutschland eine Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, ganz objektiv, dass es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat. (…) Was diese Regierung getan hat, war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“ Dies Selbstbewusstsein gilt es, weiterhin zu entfalten und politische Verantwortung wahrzunehmen. Denn heute, 2019 sind nur 30,9% der Abgeordneten im Bundestag Frauen. Damit ist man auf einen Stand von vor 20 Jahren zurückgefallen. Im Januar hat der brandenburgische Landtag ein Paritätsgesetz beschlossen, nach dem bei den nächsten Wahlen die Listen der Parteien paritätisch zu besetzen sind. Das ist gut, denn damit ist die Diskussion eröffnet! Nämlich die Diskussion wie der Frauenanteil in der Bevölkerung sich auch an anderen Stellen in Politik, Wirtschaft und natürlich auch in Gewerkschaften wieder spiegeln lässt. Wie schaffen wir das? Die Diskussion dazu hat aber erst begonnen: Im bayrischen Landtag sind gerade einmal ein Viertel der Abgeordneten Frauen: 26,8 %. Und heute Vormittag sind im bayrischen Verfassungsausschuss zwei Gesetzentwürfe von SPD und GRÜNEN in Richtung eines Paritätsgesetz mit den Stimmen der CSU, Freien Wählern, FDP und AFD abgelehnt worden. Es gibt also noch viel zu tun!

Ein kleiner Hinweis noch einmal aus Sicht der GEW: Wir kämpfen seit langem darum dass die Grund- und Mittelstufenlehrkräfte ebenfalls mit A13 bzw. E13 besoldet werden. Da in den Grundschulen ca. 85% der Lehrkräfte weiblich sind, ist dies eine mittelbare Diskriminierung. In Hamburg stehen wir kurz davor die Anhebung der Gehälter für diese Gruppe auf den Weg zu bringen. Wenn es gelingt, dann aber nur deshalb, weil die Beschäftigten mit der Gewerkschaft einen enormen Druck gemacht haben! Ich hoffe auf eine entsprechende Ankündigung der Politik im Mai dieses Jahres, also morgen. Wenn das nicht passiert, werden wir weiter kämpfen!

Es bedarf einer Zeitenwende! Und damit noch einmal zum Thema des heutigen Abends. Die Romantrilogie von Frau Korn startet im Jahr 1919 mit vier Frauen, die zeitlebens befreundet bleiben. Sie werden durch alle Zeiten – Weimarer Republik, Drittes Reich, Nachkriegsdeutschland bis zu Wiedervereinigung und bis zur Jahrtausendwende – geschildert. Eine Geschichte von vier Freundinnen und einem Abriss der deutschen Geschichte aus einer ganz bestimmten Perspektive. Eine treffendere Lesung zum Internationalen Frauentag kann ich mir nicht vorstellen! Ich wünsche allen einen interessanten Abend! Und herzlichen Dank an Frau Korn für Ihr Kommen!