GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Refugee-Buddy-Programm gestartet!

Geschrieben von: 
Webredaktion
Bericht vom ersten Here to participate!-Treffen
Buddy Veranstaltung 23.5.2016 /  Foto: GEW HH

Knapp 50 Interessierte kamen am 23.5. zum ersten Treffen des Refugee-Buddy-Programms der GEW Hamburg ins Curiohaus. Mit dem Programm Here to participate! soll dem aktuellen gesellschaftlichen Rechtsruck, eine Praxis der Solidarität entgegengestellt werden. Das Programm fordert Teilhabemöglichkeiten für Geflüchtete im Bildungsbereich, will einen Austausch von Pädagog_innen mit und ohne Fluchtgeschichte fördern und geflüchteten Kolleg_innen – ungeachtet ihres Aufenthaltsstatus - die Partizipation in Gewerkschaft und beruflichen Handlungsfeldern ermöglichen. Bereits Ende April wurde die Durchführung des Programms durch die GEW Hamburg auf dem Gewerkschaftstag einstimmig beschlossen.

Wege in das Berufsfeld Bildung ermöglichen

Für ein erstes Treffen hatte der Organisator_innenkreis ins Curiohaus geladen, um Idee und Konzept des Programms vorzustellen und praktische Wege der Partizipation vorzubereiten. Gekommen waren an die 50 Kolleg_innen - mit und ohne Fluchterfahrung sowie mit unterschiedlichen Expertisen im Berufsfeld „Bildung“ - mit Abstand die meisten sind im dem Bereich „Schule“ heimisch. Um überhaupt eine Grundlage für den gegenseitigen Austausch zu schaffen, wurde die Veranstaltung mehrsprachig gehalten. Neben englisch und deutsch, wurde auch auf arabisch und französisch übersetzt – Übersetzer_innen für farsi und serbo-kroatisch standen ebenfalls bereit. Nachdem die Verständigung geklärt war, wurde die Entstehung des Here to participate!-Programms präsentiert, das seit Februar von Refugees und Aktiven in der GEW konzipiert wird. Anschließend gab die Kollegin Barbara Geier einen Überblick über die Spezifika des Hamburger Schulsystems.

Buddyteams entstehen

In der darauf folgenden Phase, bildeten sich entlang der Zuordnung zu Unter-, Mittel- und Oberstufe Kleingruppen, in denen sich die Teilnehmer_innen mit ihren bisherigen Erfahrungen und Wünschen vorstellten. Innerhalb der Kleingruppen und in Einzelgesprächen wurden zudem Möglichkeiten des gegenseitigen Austauschs und denkbare Wege der Partizipation Geflüchteter in den Schulbetrieb diskutiert. Aufgrund des großen Interesses geflüchteter Lehrer_innen am Buddyprogramm werden weiterhin Kolleg_innen gesucht, die sich im aktiven Schuldienst befinden und Teil eines Buddyteams werden wollen. Neben den Schulbuddys konnte sich auch ein Team von Sozialarbeiter_innen finden.

Im Zuge der Veranstaltung kamen auch Fragen zum Lehramts- und Studium der Sozialen Arbeit auf, die in Zusammenarbeit mit dem Refugees-Welcome-Cafe an der Uni Hamburg beantwortet werdet werden.

Fehlende Anerkennung

Von geflüchteten Kolleg_innen wurden zudem zwei weitere schwerwiegende Themen stark gemacht, anhand derer auch die Grenzen des Buddyprogramms schnell deutlich wurden. Zum einen die Frage danach, welche der Abschlüsse, aus den Herkunftsstaaten, in Deutschland anerkannt werden – und welche nicht? Und zum anderen die Frage danach, wie Arbeitserlaubnisse erlangt werden können. Leider kann die GEW Hamburg als Gewerkschaft weder Abschlüsse offiziell anerkennen, noch Arbeitserlaubnisse ausstellen.

Trotzdem – oder gerade deshalb – wurde festgehalten, dass die Arbeit von Here to participate! nicht beim Austausch unter Fachkräften enden darf, sondern in einem gemeinsamen politischen Kampf für die strukturelle Gleichstellung von geflüchteten Kolleg_innen eintreten muss: Für die Anerkennung ausländischer Hochschulabschlüsse (und Ausbildungsabschlüsse) und Arbeitserlaubnisse für alle!

Wie weiter?

In den Wochen nach dem Treffen fand bereits mindestens eine erste Hospitation statt, weitere sind in Planung und eine Reihe neuer Interessent_innen hat Kontakt zu uns aufgenommen. Außerdem gibt aus aus anderen Landesverbänden sowie der GEW-Bund Interesse das Programm zu übernehmen.

Auf dem nächsten Treffen am 18. Juli werden die Buddyteams berichten, wie der bisherige Austausch verlaufen ist: was geklappt hat – und was nicht. Natürlich gibt es auch wieder die Möglichkeit neue Buddyteams zu bilden! Und vielleicht ergibt sich auch schon ein Rahmen, politische Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. Auf einem Extratreffen wollen wir rechtliche Infos zu den Themen Anerkennung und Arbeitserlaubnis vorstellen.

Ob mit oder ohne Fluchterfahrung – Kolleg_innen aus dem Bildungsbereich sind weiterhin herzlich willkommen. Bei Interesse melde dich gerne unter buddyprogramm@gew-hamburg.de oder komm zum nächsten Treffen am Montag den 18.7. um 18 Uhr ins Curiohaus (Raum A). Aktuelle Infos findest du auf facebook: https://facebook.com/Here-to-participate-The-GEW-Hamburg-Refugee-buddy-program-1524471881194153/ oder unter http://www.gew-hamburg.de/mitmachen/arbeitsgruppen/projekt-here-to-participate

Evin Jlussi, Jan Kolbow, Ronja Heinelt, Robert Hübner, Gesa Müller, Tobias Wollborn für die GEW Studis