Unter diesem Motto haben wir vom Landesausschuss für Migration, Bleiberecht, Diversität und Antirassismus (LAMBDA) zusammen mit dem Türkischen Lehrer*innenverband Hamburg (TÖDER) den Tag der Muttersprache organisiert und durchgeführt.
Rund 200 Menschen haben sich im „Hauptdeck“ der Zentralbibliothek versammelt, um die Vielfalt der Sprachen zu feiern und ein starkes Zeichen für die Mehrsprachigkeit zu setzen.
Zahlreiche Vereine, Initiativen und Institutionen gestalteten die Veranstaltung mit sprachlichen Beiträgen, künstlerischen Darbietungen und fachlichen Impulsen. Mit Liedern auf Türkisch, Ukrainisch, Kurdisch, Italienisch, Spanisch und Koreanisch sowie Instrumentalmusik (Saz, Gitarre, Geige) wurden wir in die Klänge der Welt entführt. Ein arabisches Gedicht, ein ukrainisches Märchen, ein Dialog aus einem Schattenspiel, Zungenbrecher sowie Videobeiträge von Schulen machten sprachliche Vielfalt hör- und sichtbar. Es wurde mitgesungen, übersetzt und gemeinsam gestaunt – Mehrsprachigkeit wurde nicht nur thematisiert, sondern gelebt.
Unsere Bundesvorsitzende Maike Finnern richtete eine Videobotschaft an den Bundesverband für Türkisch und Mehrsprachige Bildung, in der sie ihre besten Wünsche aussprach. Der Beitrag findet sich unten.
Mit Grußworten und Vorträgen wurde das Anliegen des Internationalen Tages der Muttersprachen fachlich, bildungs- und gesellschaftspolitisch untermauert.
Prof. Dr. Ursula Neumann (Universität Hamburg) begleitete die Veranstaltung als „Schirmfrau“ – wie sie betonte statt „Schirmherrin“ – und erinnerte daran, dass der Internationale Tag der Muttersprache im Jahr 2000 von der UNESCO als Gedenktag ins Leben gerufen wurde, um die Sprachenvielfalt zu erhalten. Denn weltweit gibt es eine große Zahl an Sprachen, von denen viele vom Aussterben bedroht sind.
Samah Shalaby (UNESCO, Lebenslanges Lernen) unterstrich in ihrem Beitrag die gesellschaftliche Bedeutung von Mehrsprachigkeit.
Dr. Martin Şerif Derince (Universität Hamburg) erklärte den Kindern auf der Bühne anschaulich, wie Mehrsprachigkeit funktioniert und warum sie eine besondere Stärke darstellt.
Silvana Safouane (BSFB, zuständig für Sprachförderung und Herkunftssprachenunterricht) würdigte die Mehrsprachigkeit in unserer Stadt als „ganz wertvolles Gut“. Es sei wichtig, „die Mehrsprachigkeit an den Hamburger Schulen gut sichtbar zu machen, sie zu würdigen und zu helfen, sie auszubauen.“ Sie brachte die Broschüre „Sprachen lernen in Hamburg“ mit und informierte ausführlich über das schulische Sprachenangebot, damit verschiedene Sprachen in Hamburg weiter gelernt und in die Bildungsbiografie einbezogen werden können. In den gemeinsamen Rahmenplänen werde „nicht mehr unterschieden zwischen Fremdsprachen und Herkunftssprachen, sondern es geht darum, Sprachen zu lernen“, so Frau Safouane. Der Sprachunterricht stehe allen Hamburger Schülerinnen offen, so Frau Safouane, und man arbeite „konstant daran“, dass weitere Sprachen angeboten werden.
Die Veranstaltung machte deutlich: Mehrsprachigkeit ist keine Herausforderung, sondern eine Kompetenz und ein gesellschaftlicher Reichtum. Wer die Herkunftssprache stärkt, fördert damit auch den Bildungserfolg, die Identitätsentwicklung und die demokratische Teilhabe.
Deshalb fordern wir eine klare bildungspolitische Konsequenz: Herkunftssprachenunterricht darf kein Randangebot bleiben. Er muss strukturell im Regelsystem verankert werden und eine verlässliche Finanzierung sowie qualifizierte Lehrkräfte erhalten. Zudem muss er im Fächerkanon gleichgestellt werden.
Bildungsgerechtigkeit bedeutet, die sprachlichen Ressourcen aller Kinder anzuerkennen und systematisch zu fördern. Unsere Sprache ist unsere Stärke – sie gehört in die Mitte der Bildungspolitik!
Sprache ist Bildung, Teilhabe und Zukunft!
Bilge Yörenc und Karin Haas (LAMBDA, Landesausschuss für Migration, Bleiberecht, Diversität und Antirassismus)
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Videostatement anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache am 21. Februar 2026 vom Maike Finnern, Vorsitzende der GEW
Merhaba, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Heute feiern wir den Internationalen Tag der Muttersprache – dabei geht es um mehr als nur um Worte.
Es geht um Zugehörigkeit.
Um Bildung.
Und um Teilhabe.
Sprachen prägen unseren Alltag und unsere Lebenswelten.
Sprachliche Vielfalt ist keine Ausnahme – sie ist der Normalfall.
Und sie ist eine große Stärke.
Immer mehr Kinder in Deutschland wachsen mehrsprachig auf.
Fast jedes vierte Kita-Kind lebt in einem Haushalt,
in dem überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird.
In manchen Regionen ist der Anteil deutlich höher.
Mehrsprachigkeit gehört längst zum Alltag unserer Bildungseinrichtungen.
Und sie ist eine Chance – wenn wir sie anerkennen und gezielt fördern.
Mehrsprachige Kinder bringen viele Sprachen mit.
Das ist ein Schatz.
Diese Sprachen helfen beim Lernen.
Sie stärken Identität.
Und sie ermöglichen Teilhabe.
Je besser Kinder ihre Familiensprache beherrschen, desto leichter lernen sie weitere Sprachen – auch Deutsch.
Schule muss daher Sprachen-Vielfalt wertschätzen und unterstützen.
Dabei zählt der Blick auf jedes einzelne Kind.
Sprachstände, Lernwege und Ressourcen sind unterschiedlich.
Förderung muss bei den Stärken der Kinder ansetzen.
Die GEW engagiert sich seit vielen Jahren
für mehr Mehrsprachigkeit in Kitas
und für das Recht auf herkunftssprachlichen Unterricht.
Kolleginnen und Kollegen – mit und ohne Migrationsgeschichte –
setzen sich gemeinsam ein:
für die Gleichberechtigung von Familiensprachen,
für den Ausbau von Sprach-Kitas
und für herkunftssprachlichen Unterricht
in staatlicher Verantwortung.
Alle Sprachen sind gleichberechtigt.
Das ist unser Maßstab.
Sprachenvielfalt ist eine Stärke.
Allen Kindern und Jugendlichen muss im schulischen Kontext
der bildungssprachliche Zugang zu ihrer Erstsprache ermöglicht werden.
Erstsprachlicher Unterricht darf daher kein freiwilliges Zusatzangebot sein.
Er muss ein regulärer Teil von Schule werden – mit qualifizierten Lehrkräften und verlässlichen Strukturen.
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt sich aktuell zum Beispiel in Berlin.
Dort fordern GEW BERLIN, der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg
und der kurdische Elternverein Yekmal gemeinsam einen deutlichen Ausbau erstsprachlichen Unterrichts.
Denn obwohl es einen gesetzlichen Anspruch gibt,
hakt es in der Praxis noch immer.
Der Vergleich mit anderen Bundesländern,
etwa Nordrhein-Westfalen,
zeigt: Es geht mehr – wenn man es will.
Während viele Bundesländer zunehmend auf staatliche Verantwortung setzen, gibt es andernorts noch konsularische oder gemischte Modelle,
etwa in Baden-Württemberg oder Hessen. Häufig fehlt es an einer engen pädagogischen Verzahnung mit dem Schulalltag und einer durchgängigen staatlichen Aufsicht.
Beim Türkischunterricht wird das besonders deutlich.
Dieses Nebeneinander unterschiedlicher Systeme ist nicht zeitgemäß. HSU darf nicht in der Nische bleiben,
sondern muss vollständig in staatliche Verantwortung überführt werden.
Unsere Forderungen sind klar:
Qualität durch staatliche Lehrpläne,
Anerkennung durch volle Zeugnisrelevanz
und Bildungserfolg durch eine verlässliche Ausstattung.
Deshalb fordert die GEW bundesweit:
die Integration des HSU in den Regelbetrieb,
faire Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte
und die volle Anerkennung als Unterrichtsfach –
als Wahlpflichtfach oder als zweite Fremdsprache - bis hin zum Abitur.
Auch die frühkindliche Sprachförderung liegt uns sehr am Herzen.
Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ war ein wichtiger Schritt,
um Mehrsprachigkeit im Kita-Alltag zu stärken.
Als die Bundesförderung 2023 ausgelaufen ist,
haben wir das scharf kritisiert und deutlich auf die Gefahr hingewiesen,
dass wertvolles Fachpersonal verloren geht.
Für uns ist klar:
Wir brauchen dauerhafte Strukturen statt Projektlogik.
Sprachförderung muss alltagsintegriert stattfinden.
Und sie braucht ausreichende Ressourcen
sowie den Erhalt der qualifizierten Fachkräfte.
Aktuelle Entwicklungen in den Bundesländern zeigen,
dass nun verbindliche Sprachförderkonzepte entstehen.
Entscheidend ist:
Diese Konzepte können nur dann greifen,
wenn die personelle Ausstattung gesichert ist.
Denn gute Sprachförderung braucht Zeit, Personal und Professionalität.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
diese Ziele erreichen wir nur gemeinsam.
Deshalb ziehen wir mit allen Partnerinnen und Partnern –
auch mit dem Bundesverband für Türkisch und Mehrsprachige Bildung –
an einem Strang.
Gemeinsam setzen wir uns ein
für die Anerkennung sprachlicher Vielfalt
und für mehr Chancengleichheit –
für Kinder, Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen,
dass jede Sprache zählt –
in Kitas, in Schulen und in unserer Gesellschaft.
Vielfalt ist Stärke.
Und Bildung in allen Sprachen
ist der Schlüssel zu echter Chancengleichheit.
