Von März bis Mai 2026 finden bundesweit Betriebsratswahlen statt – auch in Hamburg. „Mehr Frauen müssen in die Mitbestimmung. Echte Gleichstellung entsteht nur, wenn Frauen in allen gestaltenden und entscheidenden Gremien angemessen vertreten sind. Nur so lassen sich Machtverhältnisse verändern und strukturelle Ungleichheit abbauen – gerade jetzt, mit Blick auf die anstehenden Betriebs- und Personalratswahlen“, sagt Tanja Chawla, Vorsitzende des DGB Hamburg.
Nach Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) liegt der Frauenanteil in Betriebsräten bundesweit bei lediglich rund 35%, bei Betriebsratsvorsitzenden sogar nur bei 21%. In Hamburg sind laut einer WSI Befragung (2023) 36% der Betriebsräte weiblich.
Tanja Chawla: „Statt Angriffen auf Arbeitnehmer*innenrechte und den Acht-Stunden-Tag brauchen wir starke Betriebsräte – mit starken Frauen. Ihre Perspektiven müssen dort einfließen, wo Regeln, Strukturen und die Verteilung von Ressourcen festgelegt werden. Ohne starke Betriebsräte keine Mitbestimmung, ohne Mitbestimmung keine Gleichstellung!“
Wie groß der Gender Pay Gap – besonders in Hamburg – weiterhin ist, hat der Equal Pay Day 2026 erneut deutlich gemacht: Nach aktuellen Zahlen des Statistikamtes Nord verdienen Frauen in Hamburg im Durchschnitt 17 Prozent weniger als Männer. Sie leisten zudem den Großteil der unbezahlten Erziehungs-, Pflege- und Hausarbeit, arbeiten häufiger unfreiwillig in Teilzeit und stoßen bei Aufstiegschancen nach wie vor an gläserne Decken. Das sei kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Benachteiligung.
„Der Gender Pay Gap ist hartnäckig, aber nicht unveränderbar“, so Tanja Chawla. „Geschlechtsspezifische Lohnlücken aufdecken, Schulungen zu Equal Pay einfordern, Eingruppierungen überprüfen – Betriebsräte haben wirksame Instrumente, um Benachteiligung abzubauen.“
Am Vorabend des Internationalen Frauentags laden die Hamburger Gewerkschaften auch in diesem Jahr zum gemeinsamen Einstimmen auf den 8. März ein. „Wir freuen uns, dass es in Hamburg so viele Frauen mit Haltung gibt“, betont Tanja Chawla. „Wir rufen alle auf, sich an den vielfältigen Aktionen rund um den 8. März zu beteiligen.“ Beim so genannten Warm-up im Musiksaal des Gewerkschaftshauses am Besenbinderhof treffen sich feministisch engagierte Frauen aus Hamburg zum Austausch und zur Vernetzung. Die DGB-Hamburg-Vorsitzende Tanja Chawla und Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard kommen dort mit Betriebsratsbotschafterinnen ins Gespräch.
„Als Gewerkschafter*innen stehen wir für eine offene Gesellschaft und eine demokratische Arbeitswelt. Mitbestimmung im Betrieb heißt: Haltung zeigen – gegen antifeministische und menschenfeindliche Ideologien, die Gleichstellung und Solidarität bedrohen. Gemeinsam setzen wir uns für eine solidarische Arbeitswelt ein, in der Respekt gelebte Praxis ist und Rückschritt keine Chance hat. Dazu gehört auch die Gleichstellung der Geschlechter. Sie schafft einen Mehrwert für alle – und gelingt besonders dort, wo Betriebs- und Personalräte mitbestimmen, und Tarifverträge gelten“, bekräftigt Tanja Chawla abschließend.

