GEW Hamburg kritisiert die geplante Schließung aller Praxisausbildungsstätten (PAS) an den Fachschulen für Sozialpädagogik scharf. Mit der Entscheidung beendet das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) ein seit den 1960er Jahren gewachsenes, bundesweit einmaliges Ausbildungsmodell – mit gravierenden Folgen für Ausbildungsqualität und Fachkräftesicherung.
„Die PAS sind das Rückgrat einer qualitativ hochwertigen sozialpädagogischen Ausbildung in Hamburg. Ihre ersatzlose Schließung ist keine Randentscheidung, sondern eine strukturelle Systementscheidung mit langfristigen negativen Folgen“, erklärt Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg.
Die vom HIBB angeführten Begründungen – insbesondere ein angebliches Überangebot an Kita-Plätzen sowie höhere Kosten pro Kind – greifen aus Sicht der GEW fachlich deutlich zu kurz. „Das Beispiel der PAS Gerritstraße zeigt, wie realitätsfern diese Argumentation ist: Die Einrichtung ist dauerhaft voll ausgelastet und führt eine Warteliste. Von einem Überangebot kann hier keine Rede sein“, so Quiring weiter. Pauschale Annahmen würden der tatsächlichen Versorgungslage in den Stadtteilen nicht gerecht.
Praxisausbildungsstätten sind keine gewöhnlichen Kindertageseinrichtungen, sondern ausbildungsimmanente Praxiswerkstätten. Sie gewährleisten die verbindliche Verzahnung von Theorie und Praxis für alle sozialpädagogischen Bildungsgänge und ermöglichen eine systematische, qualitätsgesicherte Anleitung ganzer Schulklassen. „In den PAS werden aktuelle fachliche Standards frühkindlicher Bildung nicht nur vermittelt, sondern praktisch erprobt, reflektiert und weiterentwickelt. Diese Qualität lässt sich nicht beliebig auf andere Praxiseinrichtungen übertragen“, betont Varsenik Vardanyan, KiJu-Referentin der GEW Hamburg.
Aus Sicht der GEW steht die geplante Schließung zudem im klaren Widerspruch zu den laufenden Bildungsplanreformen, zur Hamburger Fachkräftestrategie sowie zu politischen Bekenntnissen zur Stärkung der frühkindlichen Bildung. „Für vergleichsweise geringe Haushaltsmittel wird hier eine zentrale Ausbildungsinfrastruktur aufgegeben. Das ist kurzsichtig und verantwortungslos“, so Vardanyan.
Die GEW Hamburg fordert das HIBB und den Senat auf, die Entscheidung umgehend zu stoppen. „Strukturveränderungen in der Ausbildung müssen fachlich begründet, transparent geprüft und unter Beteiligung der Praxis entwickelt werden. Eine ersatzlose Beendigung der PAS wird dieser Verantwortung in keiner Weise gerecht“, stellt Quiring abschließend klar.
In diesem Zusammenhang unterstützt die GEW Hamburg ausdrücklich die Petition „Unsere Kinder verlieren ihren sicheren Ort – und Hamburg ein wichtiges Bildungsfundament“, die sich gegen die Schließung der Praxisausbildungsstätten richtet und den Erhalt dieser zentralen Ausbildungsorte fordert: https://www.change.org/p/unsere-kinder-verlieren-ihren-sicheren-ort-und-hamburg-ein-wichtiges-bildungsfundament

