Der Bundesverband der Migrantinnen blickt auf 20 Jahre organisierte Selbstvertretung, Solidarität und politischen Einsatz zurück. Dieses Jubiläum wurde am 22.11.2025 bundesweit mit zahlreichen Veranstaltungen begangen und bot Anlass, die gemeinsamen Erfahrungen zu reflektieren, aktuelle Angriffe auf soziale Rechte zu benennen und den Blick entschlossen nach vorn zu richten. Gewerkschaften, Frauenorganisationen und Solidaritätsnetzwerke beteiligten sich aktiv an den Feierlichkeiten. Die Gruppen des Bundesverbands aus dem Norden kamen in Hamburg zusammen. Fast 200 Gäste waren in die Fakultät für Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg gekommen.
Im Mittelpunkt der Hamburger Veranstaltung stand eine Podiumsdiskussion zur Frage:„Wie wirkt sich der Sozialabbau auf die Lebensbedingungen von Frauen aus?“. Moderiert von Dilan Baran (DIDF Hamburg) diskutierten Vertreterinnen aus Frauenhäusern, Gewerkschaften, Jugendorganisationen und dem Bundesverband der Migrantinnen im dortigen Anna-Siemsen-Hörsaal.
Petra Schlesinger (Frauen helfen Frauen Hamburg e. V.) machte die dramatische Lage in den Frauenhäusern deutlich: Es fehle an Plätzen, die Einrichtungen seien dauerhaft überfüllt – allein in Hamburg fehlten über hundert Schutzplätze. Gleichzeitig betonte sie, dass der Ausbau von Frauenhäusern allein nicht ausreiche. Aus ihrer langjährigen Praxis berichtete sie, dass viele gewaltbetroffene Frauen vor allem am Mangel an bezahlbarem Wohnraum scheitern. Ohne eine soziale Wohnungsbaupolitik bleibe echte Sicherheit für Frauen unerreichbar.
Noa Looft (Internationaler Jugendverband) schilderte die massiven Auswirkungen sozialer Kürzungen auf den Alltag junger Menschen: steigende Gebühren, gestrichene Angebote und wachsende Unsicherheit. Dem stellte sie die Bedeutung gewerkschaftlicher Kämpfe entgegen. In ihrem Betrieb hätten Auszubildende zuletzt erfolgreich 300 Euro mehr Ausbildungsvergütung sowie eine Garantie auf unbefristete Übernahme durchgesetzt. Angesichts der Angriffe auf soziale Rechte sei es umso wichtiger, Arbeitskämpfe zu führen und kollektiv Widerstand zu organisieren.
Dîlan Stêrk (GEW, Landesausschuss für Migration, Bleiberecht, Diversität und Antirassismus) betonte, dass die Stärkung der Selbstbestimmung von Frauen ein zentraler Auftrag gewerkschaftlicher Arbeit sei. Ökonomische Unabhängigkeit erfordere existenzsichernde Löhne, verlässliche Beschäftigung, gute Arbeitsbedingungen und den konsequenten Abbau struktureller Benachteiligung – insbesondere für Frauen in Bildungs- und Sozialberufen. Mit Blick auf den Bildungsbereich machte Stêrk klar: „Kürzungen führen nicht zu Effizienz, sondern zu systematischer Überlastung. Lehrkräfte und Erzieher*innen arbeiten dauerhaft am Limit. Unterrichtsausfälle und fehlende Betreuungsangebote sind die direkte Folge struktureller Unterfinanzierung.“
Zara Canbay (Bundesverband der Migrantinnen) erklärte, dass Sozialkürzungen gezielt genutzt werden, um Menschen gegeneinander auszuspielen. Frauen seien erneut die Hauptleidtragenden dieser Politik. Besonders deutlich zeige sich dies in den Debatten um Kürzungen im Pflegebereich: Pflege- und Betreuungsaufgaben würden wieder ins Private verlagert – und damit überwiegend auf Frauen abgewälzt. Diese Politik verschärfe soziale Ungleichheit und zementiere patriarchale Strukturen.
20 Jahre Bundesverband der Migrantinnen stehen für Widerstand gegen Ausgrenzung, für Solidarität und für den gemeinsamen Kampf um soziale Rechte. Dilan Baran dankte allen Rednerinnen und Beteiligten und stellte am Ende der Diskussion fest: „Wir gehen gestärkt, solidarisch und kämpferisch in die kommenden Jahre!“.
Foto: Zara Canbay, Petra Schlesingen, Dilan Baran, Noa Looft, Dilan Sterk (v.l.n.r.)

