GEW Hamburg

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hamburg
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Newsletter GEW Hamburg Nr. 2/12

Unter unseren Verhältnissen gelebt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Umfragewerte für die Regierungspartei in Hamburg und vor allem den Ersten Bürgermeister schießen nach einem Jahr SPD-Alleinregierung in die Höhe. Auch wenn es sich dabei um eine Momentaufnahme handelt, die sich rasch wieder in die andere Richtung drehen kann, ist das angesichts der Probleme, die nach wie vor z.B. im Bildungsbereich existieren, bemerkenswert. Neben viel angestauter Enttäuschung über die schwarzgrüne Vorgängerregierung liegt eine Ursache für die guten Umfrageergebnisse wohl auch darin, dass die großen Grausamkeiten einer neuen Regierung bisher ausgeblieben sind. Abgesehen von der Einkommenskürzung für Beamt_innen und Ruheständler_innen und einigen anderen Maßnahmen sind die groben Einschnitte in die öffentlichen Aufgaben aufgeschoben. Die sprudelnden Steuereinnahmen in 2011 werden sich allerdings in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht wiederholen. Dann wird die Politik der Schuldenbremse, die inzwischen als quasi Naturgesetz dargestellt wird, obwohl sie von der großen Koalition aus CDU und SPD mit Unterstützung der Grünen und der FDP beschlossen wurde und folglich auch wieder zurückgenommen werden könnte, in Hamburg zu massivem Stellenabbau im öffentlichen Dienst führen.

Angesichts der dramatischen Arbeitsverdichtung und daraus folgender Arbeitsbelastung an Kitas, Schulen und Hochschulen stehen uns wahrhaft schlechte Zeiten bevor, wenn es nicht gelingt, ausgeglichene öffentliche Haushalte durch Einnahmeverbesserungen statt durch Ausgabenkürzungen zu erreichen. Der seit Jahrzehnten auch in Hamburg stattfindende massive Personalabbau im öffentlichen Dienst gefährdet unsere Zukunft.

Gelingende Inklusion, die soziale Öffnung der Hochschulen, feste, dauerhafte  und angemessen bezahlte Beschäftigungsverhältnisse unter Bedingungen, die nicht krank machen, eine ganztägige Bildung und Betreuung an Grundschulen unter pädagogisch hochwertigen Bedingungen für alle sind die Baustellen, auf denen in der nächsten Zeit gearbeitet werden muss.

All diese Themen zeigen, dass wir bisher nicht über, sondern unter unseren Verhältnissen gelebt haben. Sicher - es gibt auch Verbesserungsmöglichkeiten, die kein Geld kosten. Aber wir werden gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen in allen bildungspolitischen und gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen der nächsten Zeit deutlich machen müssen, dass nur mit höheren öffentlichen Mitteln im Bildungsbereich Fortschritte erzielt werden können. Statt eine Logik unhinterfragbarer Sachzwänge zu folgen – wohin das führt, wird uns gerade am Fall Griechenland gezeigt – müssen wir deutlich machen, dass es Alternativen zu Sparzwang und Schuldenbremse gibt.

Unsere Kampagne gegen die Arbeitsbelastung an Schulen z.B. wird nur erfolgreich sein können, wenn es gelingt, mehr Geld in die Schulen zu investieren - sei es für mehr Personal, kleinere Lerngruppen und eine bessere räumliche und sachliche Ausstattung der Schulen.

Wir sollten uns nicht aufs Glatteis derjenigen in der Regierung führen lassen, die behaupten, die fetten Jahre seien vorbei: Sie haben noch nicht mal angefangen!

Klaus Bullan, Sigrid Strauß, Fredrik Dehnerdt

Gewerkschaftstag der GEW HH am 26. April 2012

Der nächste ganztägige GEW-Gewerkschaftstag findet statt am
Donnerstag, den 26. April 2012 vom 9 bis 17 Uhr im Curiohaus.
Stimmberechtigt sind Delegierte und Vertrauensleute der Betriebsgruppen, darüber hinaus ist der Gewerkschaftstag mitgliederöffentlich. Bitte wählt Eure VertreterInnen überall da, wo es noch keine gibt. Informationen dazu gibt es in der GEW Geschäftsstelle. Satzungsändernde Anträge müssen am 23. März 2012 in der Geschäftsstelle vorliegen, andere Anträge am 02. April 2012. dm

"Occupy Union"
Einladung zur Bundeskonferenz junger Gewerkschafter_innen

Die GEW kämpft für gerechten Lohn, für Arbeit unter guten Bedingungen und ein Bildungssystem, das Chancengleichheit garantiert und niemanden zurücklässt. Die Umsetzung dieser Ziele erfordert ein spezifisches gesellschaftspolitisches Umfeld, das aufgrund der aktuellen Krisenerscheinungen und der Reaktionen darauf weniger denn je gegeben ist. Die Occupy Bewegung ist ein Beispiel unter vielen mit ihrem Versuch, neue Formen politischen Engagements zu wagen. Bislang sind die Akteure noch zerstreut. Hier neue Wege zu suchen, kostet Energie und braucht – trotz und gerade wegen schwieriger Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen – Willen und Einsatz für Veränderung. Vor diesem Hintergrund findet die erste "Bundeskonferenz junger GEWerkschafter_innen" statt vom 25. bis 28. Mai 2012 in Rotenburg/Fulda. Anmelden können sich - noch bis zum 16. März 2012 - alle GEW-Mitglieder bis 35 Jahre – auch Studierende und junge Wissenschaftler_innen, die mit Kolleg_innen aus anderen Bildungsbereichen über Perspektiven gewerkschaftlichen Engagements in der GEW diskutieren möchten. Die Themen der Workshops sind u.a. Privatisierung und Bildung als Menschenrecht, Bildungsfinanzierung, Tarif und prekäre Arbeitsverhältnisse, Generation Praktikum, Kampagnenarbeit, Militarisierungstendenzen und Zivilklausel, das Steuerkonzept der GEW sowie spezifische Angebote für die verschiedenen Bildungsbereiche.

Mit dabei sind unter anderem Alex Demirovic von der TU Berlin zu Gewerkschaft und Gesellschaft, Katja Urbatsch von arbeiterkind.de zu Bildung als Menschenrecht, Costantino Gianfrancesco und Jule Schulz von Occupy Frankfurt zu Sozialen Bewegungen, der Vizepräsident des Griechischen Verbandes der Sekundarschullehrer_innen an staatlichen Schulen, Alevizakis Giorgos, zur tatsächlichen Situation in Griechenland sowie der IG-Metaller Manuel Schmidt zu Organizing.

Information und Anmeldung unter:

http://www.occupy-union.de/

Professorenbesoldung zu niedrig

In einer viel beachteten Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht am 14. Februar festgestellt, dass die so genannte W-Besoldung für Professoren zu niedrig ist. Die Besoldung war 2002 in ein neues System überführt worden und wurde in den Grundgehaltssätzen massiv abgesenkt. Diese seien mit den Grundsätzen der amtsangemessenen Alimentation nicht vereinbar, so das Gericht. Diese Entscheidung dürfte auch Bedeutung für die Prozesse um die Streichung bzw. Kürzung des Weihnachtsgeldes haben. Auch hier argumentiert die GEW damit, durch diese Kürzung des Jahreseinkommens um fünf Prozent sei zusammen mit den vorherigen Kürzungen die Besoldung nicht mehr amtsangemessen. ah

Arbeitsbelastungen reduzieren- Arbeitsentlastungen ab August?

Der Beginn unserer Kampagne „Arbeitsbelastungen an Schulen reduzieren“ ist angelaufen. Grund:  Viele Reformen in allen Schulbereichen verändern die Arbeit der Kolleg_innen rasant schnell und  tiefgreifend. Ganztägige Bildung und Betreuung an Grundschulen, Inklusion, neue Stadtteilschulen, Reform der beruflichen Bildung - alles erfordert eine Neuplanung und den vollen Einsatz der Beschäftigten. Doch die sind nicht mehr geworden und tragen im Rucksack eine Arbeitszeitverordnung mit vielen neu hinzugekommenen Aufgaben, die auf ihrem Arbeitszeitkonto nicht abgerechnet werden. Zusätzliche Kollegen wurden nicht entsprechend des Mehrbedarfs eingestellt, zusätzliche Mittel sollen nicht ausgegeben werden. So geht das nach Auffassung der GEW nicht!

Die GEW sagt deshalb: “Stopp mit der Mehrarbeit, Kolleg/innen entlasten, und zwar schnell.“

Wir haben eine Online-Umfrage gestartet, an der sich blitzschnell Viele beteiligten. Schon jetzt haben wir innerhalb von zehn Tagen 420 Antwortende, deren Beiträge wir fortlaufend auswerten werden.  Die Fragen richten sich auf Höchstbelastungen im Unterricht und anderen Arbeitsbereichen und deren mögliche Entlastungen. Es zeichnet sich schon jetzt ein großes Paket an Belastungsfaktoren ab. ss

Favoriten sind (wer hätte es anders erwartet?):

►       Zu große Lerngruppe          

►       Zu kleine Räume

►       Zu viele Unterrichtsstunden

►       Hohe Lärmbelastung

►       Zunehmende Disziplinprobleme

►       Hoher Verwaltungsaufwand

►       Individuelle Förderung für heterogeneLerngruppen ohne Doppelbesetzung

►      Übermäßig viele Arbeitsgruppen zu verschiedenen Schwerpunkten

►      Zeitaufwändige Lernentwicklungs- gespräche

►      Zu wenig Zeit für Schüler und Schülerinnen

Burnout-
vor allem ein Thema für Lehrkräfte

Im Februar fand die zweite Burnout Veranstaltung in der GEW statt. Eingeladen hatte die Fachgruppe Berufliche Schulen anlässlich ihrer Mitglieder- und Arbeitsversammlung. Schwerpunkt war der Vortrag Stephanie Elisabeth Schmitts von der Verhaltenstherapie Falkenried, die über Gefährdungen von Berufsschullehrer/innen referierte und Gegenmaßnahmen thematisierte. Die 40 Teilnehmer/innen brachten sich mit vielen Fragen und Beispielen aus ihrem Umfeld ein. Es scheint ein großes Thema an Schulen zu sein mit wenig bis keiner Öffentlichkeit. Die Umstände, die zu Burnout führen sind in großem Maße ein Resultat des Systems, Arbeitsbelastungen werden darüber hinaus unterschiedlich individuell empfunden und verarbeitet. Die Folgen von Burnout werden jedoch fast ausschließlich individuell getragen. Mehr Informationen an den Schulen sind aus unserer Sicht nötig, professionelle Hilfsangebote unerlässlich. Ein kollektives Vorgehen zum Umgang mit Überlastung ist aus gewerkschaftlicher Sicht unabdingbar. ss

Homepage jetzt noch besser!

Auf der neuen GEW Homepage (www.gew-hamburg.de) gibt es ab jetzt auch für aktive GEW Betriebsgruppen die Möglichkeit, eine eigene Unterseite einzurichten und selbst zu pflegen. Schaut mal rein und wendet euch bei Interesse an mescher@gew-hamburg.de.

Chilenische Delegation in Hamburg

Mehr als dreitausend Menschen haben die Veranstaltungen mit den chilenischen Studentenvertreterinnen Camila Vallejo und Karol Cariola sowie dem Gewerkschafters Jorge Murúa besucht, die auf Einladung von GEW und Rosa-Luxemburg-Stiftung vom 27. Januar bis 8. Februar in Deutschland waren.

Einen ausführlichen Bericht  gibt es unter
http://gew.de/Wir_koennen_die_Welt_veraendern.html

Seminare der gewerkschaftlichen Bildung Februar 2012

Pausen für sich selbst


Einfache Methoden im Umgang mit Stress und belastenden Situationen

Im Schulalltag kommt es oft zu belastenden Situationen. Mit Hilfe von Übungen und Theorie lernen wir, inneren Raum und Ruhe für uns zu schaffen, uns selbst zuzuhören, uns nicht ständig zu analysieren, zu bewerten oder unter Druck zu setzen, wie wir automatische (oft emotionale) Reaktionen unterbrechen können sowie gegenseitige Wertschätzung und Nicht-Bewertung mit Kolleginnen und Kollegen.

Fr. 23.03.2012, 15 Uhr – Sa. 24.03.2012, 15 Uhr in Dersau, Leibers Galerie-Hotel www.leibers.de,
Leitung: Elmar Kruithoff, Kostenanteil: 40 € incl. Unterkunft / Verpfleg. (ermäßigt 20 €)

 Diskriminierung in der Bildungsarbeit

Wie verhalten wir uns bei z.B. rassistischen Sprüchen im Klassenraum / Jugendzentrum oder bei sexistischen Äußerungen im Lehrerzimmer? Ansprechen, verurteilen, ausblenden? Wir wollen uns damit beschäftigen, wie wir in Lerngruppen, im Kollegium, unter Schüler_innen und Mitarbeiter_innen mit offener und versteckter Diskriminierung, offener und versteckter Priviligierung umgehen können. Wie können wir Probleme ansprechen ohne mit der Kritik zu überfordern oder nur noch mehr zur Eskalation beizutragen? Wie können wir uns selber schützen und wie anderen helfen?

Fr. 23.03.2012, 18 Uhr – So. 25.03.2012, 15 Uhr, Erlebnispädagogisches Zentrum Havelberg
Leitung: Jonathan Gerloff, Maria Kantak, Kostenanteil: 40 € incl. Unterkunft / Verpfleg. (ermäßigt 20 €)

 Umgang mit Konflikten

Ungeklärte Konflikte haben hohe Kosten; geklärte Konflikte bringen zahlreiche Vorteile. Dennoch gehen wir Konflikten oft aus dem Weg – sie sind unangenehm und lösen Ängste aus. In diesem Workshop lernen wir die verschiedenen Schritte einer konstruktiven Konfliktklärung kennen und probieren sie praktisch aus.

Samstag 24.03.2012, 10 – 17 Uhr, GEW-Geschäftsstelle, Rothenbaumchaussee 15, Hamburg
Leitung: Beate Schwartau

 Weitere Seminare und mehr Infos unter

www.gew-hamburg.de/seminare/gewerkschaftliche-bildung

Informationen zu inhaltlichen Fragen und weiteren Angeboten: Frank Hasenbein, Referent für gewerkschaftliche Bildungsarbeit ,Tel. 040 / 41463319,
E-Mail: hasenbein@gew-hamburg.de

Anmeldung unter Angabe von Name, Adresse, Telefon, Email, ggf. Ermäßigungsanspruch bei:

Annette Meents, GEW Hamburg, Tel. 040 / 41463322
Fax 040 / 440877,
E-Mail: gba@gew-hamburg.de