Newsletter Lehrerarbeitszeitstudie #15

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Bild von der Pressekonferenz am 21.1.2025

Podium der Pressekonferenz am 21.1.2025 im Curiohaus: Britta Gröne, Dr. Frank Mußmann, Dr. Fredrik Dehnerdt, Yvonne Heimbüchel (v.l.n.r.)

Newsletter #15

Liebe Leserinnen und Leser,

am 21. Januar 2025 stellte Dr. Frank Mußmann, Studienleiter der Arbeitszeit- und Belastungsstudie der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen, im Curiohaus vor geladener Presse die Ergebnisse im Rahmen der Auswertungen zur Belastungsstudie vor. Thema: Digitale Reife und digitale Kluft zwischen weiterführenden Schulen in Hamburg. Zur Pressekonferenz waren auch die wichtigsten Hamburger Medien (Hamburger Abendblatt, Hamburger Morgenpost, News4teachers, Radio Hamburg, SAT1 Regional, ZEIT Newsletter Elbvertiefung) erschienen. 
Im NDR-Journal wurde ausführlich berichtet:  Digitales Lernen an Hamburgs Schulen: Oft fehlt klares Konzept.

Immerhin 924 Lehrkräfte an 110 weiterführenden Hamburger Schulen nahmen – anonymisiert – am ersten Teil der Belastungsstudie teil. Bekannt ist: 70 % der Beteiligten wollen digitale Medien einsetzen, um die Schüler*innen differenziert und individuell unterrichten zu können. Jedoch stoßen sie dabei immer wieder auf Hindernisse wie fehlende Vorbereitungszeit, eine mangelnde digitale Infrastruktur oder fehlende Medienbildungskonzepte. Deshalb empfinden 74 % der Befragten die Digitalisierung als eine Steigerung ihrer Arbeitsbelastung. Als Folge suboptimaler Rahmenbedingungen kann mit dem digitalen Stress eine weitere, neue Belastungsform entstehen und nachweislich zu erhöhten Gesundheitsrisiken (z.B. Burnout) führen.

Die neuen Erkenntnisse der Studie zusammengefasst:

Digitale Reife: Technik first, Pädagogik (Konzepte, Strategien) second

Die digitale Infrastruktur an Hamburger Schulen bewegt sich immerhin auf einem höheren Niveau als auf Bundesebene, d.h.: Geräte, Internetzugang und Raumausstattung sind besser. Schwächen zeigt Hamburg in der Auseinandersetzung mit den medienpädagogischen Konzepten und digitalen Strategien der jeweiligen Schulen.

Digitale Kluft zwischen Hamburger Sekundarschulen

Die digitale Reife der einzelnen Schulen wurde auf der Grundlage des europäischen Instruments SELFIE (https://education.ec.europa.eu/de/selfie) erhoben: Es gibt eine große Kluft zwischen den verschiedenen weiterführenden Schulen in vier Reifetypen: 12 % sind digitale Vorreiter, 23 % digital Orientierte, 41 % digitaler Durchschnitt und 25 % (jede vierte Schule!) digitale Nachzügler. 

Lehrkräften in den Nachzügler-Schulen wird keine Orientierung gegeben, wie das digitale Lehren und Lernen an ihrer Schule realisiert werden soll. Hier fehlen die Schulstrategien und die digitale Infrastruktur für den Unterricht ebenso wie digitale Endgeräte, was sich auch für Schüler*innen nachteilig auswirkt.

Probleme der digitalen Spaltung

Schüler*innen an Nachzügler-Schulen haben viel weniger Gelegenheiten zur Mediennutzung, in der Folge lernen sie z.B. nicht, Informationen aus dem Internet auf Zuverlässigkeit zu überprüfen. Ihre Bedürfnisse stehen offenbar nicht im Mittelpunkt. Diese Chancenungleichheit verringert die gleichberechtigte Teilhabe am sozialen, kulturellen sowie am späteren beruflichen Leben.

Lehrkräfte an Nachzügler-Schulen empfinden stärkeren digitalen Stress, bedingt durch unzuverlässige schulische IT-Systeme, unsichere digitale Technik und fehlende Orientierung. Ihre Arbeitszufriedenheit ist deutlich niedriger als bei Lehrkräften an digitalen Vorreiter-Schulen. Lehrkräfte erleben daher sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen und berufliche Entwicklungschancen.

 

Statement der GEW

Auch Yvonne Heimbüchel, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hamburg, äußerte sich auf der Pressekonferenz zur Belastungsstudie:

„Die Kolleg*innen an den Hamburger Schulen sind hochgradig bereit, sich im Bereich der Digitalisierung einzusetzen. Sie müssen aber zeitlich, technisch und konzeptionell besser ausgestattet werden. Nur so können sie die pädagogischen Bedürfnisse der Schüler*innen im Rahmen der Digitalisierung in den Mittelpunkt stellen. Die Schulbehörde muss endlich nachlegen, um die Hürden und Ungerechtigkeiten zu überwinden, die nicht nur die Belastungen für die Lehrkräfte erhöhen, sondern auch die Zukunft einer digitalen Bildung und gerechten Teilhabe der Schüler*innen gefährden.“

Entsprechend fordert die GEW Hamburg:

  • Standards für eine digitale Infrastruktur an Schulen und für die Ausstattung von Schüler*innen und Lehrkräften sowie eine gerechte Nachsteuerung
  • Ausgewiesene Digitalisierungszeit, d. h. Entlastung zugunsten informeller Lerngelegenheiten und Erfahrungsaustausch unter den Lehrkräften
  • Beratung und Unterstützung von Schulleitungen und Kollegien bei der Entwicklung sinnvoller und schulspezifischer Medienbildungskonzepte
  • Gewährleistung eines professionellen technischen Supports in den Schulen, um Unzuverlässigkeit zu überwinden und den Zwang, sich gegen technische Ausfälle absichern zu müssen, zu reduzieren.

 

Ende Februar 2025 werden weitere Ergebnisse der Belastungsstudie erscheinen. Wir werden berichten!

Bis dahin herzliche Grüße

Euer Projektteam 

 

Info des Monates:

Wer sich ausführlich über die Ergebnisse der Belastungsstudie Digitale Reife und digitale Kluft informieren möchte, kann dazu schon hier das Arbeitspapier Nr. 4 der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften Universität Göttingen einsehen, veröffentlicht von der GEW Hamburg:

https://www.gew-hamburg.de/files/download/aktuelle-meldungen/2025_arbeitspapier_4_-_hamburger_arbeitsbelastungsstudie.pdf

https://www.gew-hamburg.de/files/download/aktuelle-meldungen/hamburger_arbeitsbelastungsstudie_ap4_pk_25-01-21_web.pdf

Veranstaltung des Monats:

Arbeitszeit- und Belastungsstudie von Lehrkräften 2024: Erste Ergebnisse

Technostress und digitale Kluft – die Schattenseiten der Digitalisierung

27. Februar 2025, 18 Uhr, Eintreffen ab 17 Uhr
Curiohaus, Rothenbaumchaussee 15, 20148 Hamburg

 

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