Arbeitszeitstudie Newsletter #14

Geschrieben von: 

Liebe Leserinnen und Leser,

die meisten von euch werden sich an die UMFRAGE ZUR DIGITALISIERUNG AN HAMBURGER SCHULEN erinnern: Die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen organsierte sie im zweiten Schulhalbjahr 2023/24. Das Ziel: Erfahrungen mit digitalen Medien im Unterricht zu dokumentierten. Ein Teil der Umfrage widmete sich dem digitalen Stress und den Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen, auf die Gesundheit. Über 900 Lehrkräfte an 118 Stadtteilschulen und Gymnasien beteiligten sich daran! Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor. Dr. Frank Mußmann, Leiter des Umfrage-Teams, präsentierte sie am 7. November 2024 in der GEW-Geschäftsstelle.

Die vorliegende wissenschaftliche Umfrage basiert auf aktuellen Daten aller teilnehmenden Lehrkräfte und zeigt hochinteressante Ergebnisse. Wir haben sie hier für euch in Kurzform zusammengefasst. Wer die Ergebnisse der Studie in Gänze einsehen will, siehe unten: Info des Monats. Eine erste Veranstalung zum Thema findet bereits übermogen im Bezirk Mitte statt.

Zuerst das Positive:

  • Es herrscht ein starkes Interesse am digitalen Lehren und Lernen: 94 % der Lehrkräfte nutzen digitale Medien im Unterricht, davon 74 % jeden Tag und 20 % wöchentlich.
  • Auch das Lernmanagement-System (LMS) wird häufig eingesetzt: 51 % nutzten es, nur noch 10 % nie.
  • Dienstliche mobile Endgeräte werden angenommen: 85 % nutzen sie, darunter 52 % sogar täglich.
  • Es bestehen hohe Erwartungen am Nutzen des Medieneinsatzes: 75 % wollen ihren Unterricht damit aktueller und professioneller gestalten.

 Die Probleme:

  • Die größten Hindernisse bei der Umsetzung des digitalen Medieneinsatz sind fehlende Zeitressourcen: 82 % fehlt Unterrichts-Vorbereitungszeit, 77 % geben einen zu hohen zeitlichen Aufwand für die Umstellung auf den digitalen Medieneinsatz an.
  • 74 % nehmen die Digitalisierung unter den aktuellen Rahmenbedingungen als Belastungen wahr.
  • Mobilen Endgeräten fehlt noch zu häufig die Verbindung mit dem Internet, mit Peripherie-Geräten (z. B. mit digitalen Tafeln) und dem Hamburger Schulportal.

 Digitaler Stress:

Technostress auf hohem Niveau: 

  • 80 % der Lehrenden empfinden sich durch die Dauerpräsenz digitaler Medien gestresst.
  • 61 % fühlen sich dadurch belastet, sich immer gegen den möglichen Ausfall digitaler Medien und Techniken absichern zu müssen (redundante Vorbereitung, Vorführeffekt).
  • 63 % fehlt Zeit zum Kompetenzerwerb und zur eingehenden Beschäftigung mit digitalen Medien.
  • 54 % fühlen sich durch wachsende Komplexität überlastet.
  • 41 % sehen sich durch die Unzuverlässigkeit der schulischen IT-Systeme gestresst.
  • 44 % befürchten die Beeinträchtigung ihrer Privatsphäre.

 Digitaler Stress, ein neues Merkmal der Gesundheitsgefährdung:

  • 42 % der Lehrkräfte erleben den digitalen Stress als gering oder sehr gering.
  • 58 % der Lehrkräfte erleben den digitalen Stress als stärker oder sehr stark und haben damit auch statistisch signifikant höhere Burnout-Werte*.         
    * Personal Burnout, Copenhagen Burnout Inventory (CBI)

 Fazit:

Die große Mehrheit der Hamburger Lehrkräfte nutzt die Chancen der Digitalisierung im Unterricht und macht positive Erfahrungen beim Einsatz digitaler Medien. Gleichzeitig ist die Umsetzung des digitalen Unterrichtens mit zusätzlichem Aufwand, einer neuen Form des Stresses verbunden und kann die Gefahr eines Burnouts vergrößern.

Um die Nutzung digitaler Geräte im Schulbetrieb stressfreier zu ermöglichen, sind umfassende Verbesserungen sowie gezielte Unterstützungsmaßnahmen für die Lehrkräfte erforderlich. Diesen Handlungsbedarf erläuterte Dr. Frank Mußmann im zweiten Teil seiner Präsentation. In unserem nächsten Newsletter #15 wollen wir uns mit diesen Ergebnissen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz gründlicher befassen.
 

 

Info des Monats

Wer sich ausführlich über die Ergebnisse der UMFRAGE ZUR DIGITALISIERUNG AN HAMBURGER SCHULEN informieren möchte, kann dazu drei Arbeitspapiere der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften Universität Göttingen einsehen, veröffentlicht von der GEW:

https://www.gew-hamburg.de/files/download/aktuelle-meldungen/2024_arbeitspapier_1_-_hamburger_arbeitsbelastungsstudie.pdf

https://www.gew-hamburg.de/files/download/aktuelle-meldungen/2024_arbeitspapier_2_-_hamburger_arbeitsbelastungsstudie.pdf

https://www.gew-hamburg.de/files/download/aktuelle-meldungen/2024_arbeitspapier_3_-_hamburger_arbeitsbelastungsstudie.pdf

 

Wie weiter mit der Arbeitszeit?  - Chancen und Notwendigkeiten nach der Arbeitszeit- und
Belastungsstudie an Gymnasien und Stadteilschulen

Einladung zur 1.AZE-Bezirksveranstaltung in HH-Mitte 
Stadteilschule am Hafen am 28. November 2024, 17.00-19.00 Uhr

An unsere Mitglieder, die im Bezirk HH-Mitte an Gymnasien oder Stadtteilschulen arbeiten

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

viele von euch haben sich im letzten Schulhalbjahr super engagiert an der Arbeitszeiterfassung
beteiligt. Das war großartig! Insgesamt über 1000 Lehrkräfte an Hamburger Gymnasien und
Stadtteilschulen waren dabei. Teilergebnisse werden bereits bekannt, den Abschlussbericht erwarten
wir im Anfang/Mitte 2025. Wir sind sehr gespannt!

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Arbeitszeiterfassung (AZE) im letzten August hat der
Gewerkschaftstag der GEW Hamburg ein „Aktionsjahr Arbeitszeiterfassung“ ausgerufen. Ziele sind,
Aspekte einer notwendigen Arbeitszeitreform und einer sinnhaften und akzeptablen
Arbeitszeiterfassung herauszustellen. Als Bestandteil sind in allen Bezirken Informations- und
Diskussions-Veranstaltungen in Planung.

Wir starten in Hamburg Mitte und laden euch herzlich ein, dabei zu sein und mit dem Projektteam
Arbeitszeiterfassung sowie Yvonne Heimbüchel, 1. stellvertretende Vorsitzende der GEW Hamburg,
u.a. über folgende Fragen in Austausch zu kommen:


• Wie lief die Arbeitszeiterfassung für euch Teilnehmenden?
• Wie seid ihr mit dem zur Verfügung gestellten Tool (Time Tracker) zurechtgekommen?
• Wie kann eine Reform des Arbeitszeitmodells aussehen?
• Was braucht es, damit eine Arbeitszeiterfassung sinnhaft und akzeptabel wird?

Die Bezirksveranstaltung Hamburg-Mitte findet statt am:

Wann:     28. November 2024, 17.00-19.00 Uhr, Eintreffen ab 16.30 Uhr
Wo:         Cafeteria/Aula der Stadtteilschule am Hafen, Bernhard-Nocht-Straße 12, 20359 Hamburg

Wir freuen uns auf eure Teilnahme und einen regen Austausch.

Herzliche Grüße
Yvonne Heimbüchel, 1.stellv. Vorsitzende
für das GEW-Projektteam AZE


Mo's Momente

Arbeitszeitersassung immernoch ein spanenndes Thema

Bis dahin, herzliche Grüße

Euer Projektteam