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| Rückblick auf die GEW-Veranstaltung zur Zukunft der beruflichen Bildung am 18. Februar 2009 „Dank für eine tolle Veranstaltung“, hieß es am Tag danach in der Mail eines Teilnehmers. Rund 170 TeilnehmerInnen waren zum ganztägigen Workshop „Berufliche Bildung in der neuen Schulstruktur“ am 18.02. ins Curiohaus gekommen und hatten die Atmosphäre im kleinen Saal fast zu einem Familienfest. Man kennt sich seit vielen Jahren, hat viel Gemeinsames hinter sich und ist nach wie vor unbedingt interessiert an der Entwicklung der Beruflichen Schulen in Hamburg. Seit Beginn der neuen Koalition ist eines sicher gewesen: Es wird sich etwas ändern. Aber der Informationsfluss in die Schulen und an die Kollegien war eher auf Gerüchtebasis gestellt, was unter anderem dem Defizit geschuldet war, diese aus den regionalen Schulentwicklungskonferenzen zunächst herauszuhalten mit dem Argument, sie seien noch nicht betroffen. Dass dies nicht stimmt, wurde jedoch sehr bald klar, auch der Planungsgruppe. Die Stadtteilschule kann ohne Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und einer vernünftigen Oberstufe in der Öffentlichkeit nicht punkten. Eine Informationsveranstaltung und ein Meinungsaustausch zu den geplanten Reformen erschien der Fachgruppe Gewerbe und Handel deshalb unerlässlich. Da es um Kooperationen zu den neu zu gründenden Stadtteilschulen gehen werde, waren auch die Allgemeinbildner eingeladen – und sie kamen: immerhin 20 % der Anmeldungen aus dem Bereich Förderschulen, Gesamtschulen, GHR-Schulen und Gymnasien. Vertreter von Rebus, dem HIBB, aus dem DGB und Parteien waren ebenfalls gekommen. Von daher war das Interesse am zentralen Beitrag von Rainer Schulz enorm. Der Leiter des Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB)stellte in „kenntnisreicher und eloquenter Weise“- der lobende Kollege- den Stand der Planung zur Reform der Beruflichen Schulen vor. Es gab viele Nachfragen über Details, obgleich die Diskussionen erst am Nachmittag stattfinden sollten. Im Mittelpunkt des Interesses stand natürlich das von ihm vorgestellte Konzept über Berufsorientierung von Klasse 7-10 an den Stadtteilschulen mit Kooperationspartnern aus den Stadtteilschulen, den Beruflichen Schulen und Mitarbeitern der außerschulischen Träger. Weiterhin das Übergangssystem von Schule in Beruf, das „etabliert, statt reformiert werden soll“, so Schulz. Dies führte in der Vergangenheit bei vielen Jugendlichen nicht zum Erfolg. „Warteschleifen verhindern, jeden Jugendlichen in Ausbildung und Erwerb bringen“, so das Motto, dem erst mal jeder folgen kann. Ob der Kern der Maßnahme, bei erfolglosem Bemühen um einen dualen, betrieblichen Ausbildungsplatz jedem Jugendlichen eine Alternative in eine trägergestützte Ausbildung zu vermitteln – und zwar mit Kammerabschluss – Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten. Noch müssen Politiker „Ja“ sagen und finanzielle Mittel bereitstellen, noch müssen die Kammern sich überwinden und zustimmen, denn sie schaffen es nicht, Ausbildungsplätze im notwendigen Masse für alle Hamburger Jugendlichen anzubieten. Auch in der dualen Ausbildung und in den Oberstufen der Beruflichen Schulen soll sich etwas ändern. So waren Allgemeinbildner und Berufsbildner mit den Fragen beschäftigt, was bleibt, was soll wohin, was kommt neu und wer kann von wem lernen? Eines war klar: Das versammelte Expertenwissen sollte zukünftig genutzt und in die Planungen mit einbezogen werden. In der Abschlussrunde kamen viele Aspekte aus den drei Arbeitsgruppen zur Debatte. Herausgreifen möchte ich diejenigen, die von der GEW seit langem gefordert werden: •mehr Chancen für alle Hamburger Jugendlichen, insbesondere die Schwächeren, •erhöhte Anstrengungen der Hamburger Betriebe, Ausbildungsplätze bereitzustellen, •staatliche Nachbesserung zu einer vollqualifizierenden Berufsausbildung und Bereitstellung von Mitteln dafür, •keine Privatisierung, •Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, die dies alles leisten sollen. Interessant ist, dass die Akteure des derzeitigen Entwurfs GEWler sind, die seit vielen Jahren in den Beruflichen Schulen und in der Gewerkschaft arbeiten. Unterstützen wir sie bei guten Plänen, korrigieren wir sie, wenn es nötig wird.
GEW Workshop: Berufliche Bildung in der neuen Schulstruktur Arbeitsgruppe Berufsorientierung Klasse 7-10 (hauptsächlich Stadtteilschule) Umfasst kurz zusammengefasst: eine verbindliche Berufsorientierung, d.h. verpflichtend, Berufswahlvorbereitung, Orientierung an der betrieblichen Praxis, 2 Lernorte (innerschulisch und außerschulisch), enge Kooperation zwischen allgemeinbildenden- und beruflichen Schulen sowie Trägern, Arge, Berieben. Thematische Schwerpunkte, Fragen, Kritische Anmerkungen Es gab 2 Schwerpunkte: 1. Curiculum einer Berufsorientierung 2.Voraussetzung und Rahmenbedingungen Fragen und Kritische Anmerkungen zum 1. Schwerpunkt: -Wer entwickelt die Curiculae für die Berufsorientierung? -Gibt es dafür Stundenentlastungen? -Gibt es anfangs für die Einführung und Umsetzung des Curiculums zusätzliche Stunden? -Muss es für verschiedene Schülergruppen verschiedenen Curicula geben, -Oder: sind die SchülerInnen in der Berufsorientierung heterogen zusammengesetzt,d.h SchülerInnen mit unterschiedlichen Voraussetungen? -Wie viele Praxistage sollte es geben? -Müssen alle einen Lernpass einführen? -Werden schon existierende Curicula , bzw. Konzepte eingestampft? -Wie können außerschulische Lernorte aussehen? (Nicht nur Betriebspraktika!) -Könnten, durch die Berufsorientierung, die Kernkompetenzen (Deutsch, Mathe, Englisch) vernachlässigt werden, bzw. gerät die Schulung dieser aus dem Blick? -Welchen Stundenumfang wird die BO haben? Viele Fragen ergaben sich, da es noch kein übergreifendes Curiculum gibt. Kritisch ist anzumerken, dass über die Vergütung zusätzlicher Arbeitsbelastungen keine Aussagen gemacht werden konnten. Die Berufsorientierung für Gymnasien wurde nicht angesprochen. Die Eignung von Berufspädagogen in diesem Prozess wurde überbetont, die Rolle der Allgemeinbildner und anderer Akteure überhaupt nicht angesprochen. Fragen und Kritische Anmerkungen zum 2. Schwerpunkt: - Wie wird das ganze organisiert? Werden LehreInnen abgeordnet? Wo arbeitet ein Team zusammen? -Kann jeder Stadtteilschule eine berufliche Schule zugeordnet werden? -Was ist, wenn die Standorte weit auseinander liegen ( für SchülerInnen und LehrerInnen)? -Wer von den Berufsbildnern stellt sich für die Kooperation zur Verfügung, werden das die richtigen sein (Kompetenz, Freiwilligkeit?) -Wie soll sicher gestellt werden, dass genügend Praktikumsplätze zur verfügung stehen? -Wer garantiert, dass die Teams gut zusammenarbeiten können? -Passt das Rahmenkonzept der BO ( 2 Lernorte, Lernpass) auf alle Schulen? -Wie wird das Konzept finanziert (LehrerInnenstd.)? -Wie ist die Produktionsschule in die BO eingebunden? Kritisch wurde die Standortfrage (Zusammenarbeit der Schulen) von den KollegInnen betrachtet. Die Finanzierung des Konzepts wurde als Nullspiel abgetan,d.h. es wurde gesagt, dass kaum zusätzlich Std. benötigt würden!!!! Das wurde von den KollegInnen stark angezweifelt!
GEW Workshop: Berufliche Bildung in der neuen Schulstruktur AG: Oberstufe In der AG waren überwiegend Teilnehmer aus dem Bereich der Beruflichen Schulen und einige aus Gesamtschulen und Gymnasium. Der Aussage, dass die GEW Fachgruppen den Dialog suchen müssen, um solidarisch mit der Strukturänderung umzugehen, wurde nicht widersprochen. Die beruflichen Schulformen Berufliches Gymnasium, Berufsoberschule, FOS wurden nach dem derzeitigen Planungsstand vorgestellt und diskutiert. Außerdem ging es um die Veränderung in der dualen Ausbildung im Hinblick auf die Möglichkeit, während der Ausbildung die Fachhochschulreife zu erlangen. Berufliches Gymnasium Der Verbleib der BG im Bereich der Beruflichen Schulen wurde umfassend begründet und diskutiert Bei Einführung der Stadteilschule/ Umwandlung von Gesamtschulen in Stadteilschule: - Konkurrenz zwischen Gymnasium und Gesamtschule mit Oberstufe - Konkurrenz zwischen beruflichen Gymnasium und Gesamtschule ohne Oberstufe FOS Die Frage nach der Anbindung der FOS (Stadtteilschule- Berufl Sch.) wurde diskutiert. Meinung: HöHa könnte sich weiterentwickeln zur FOS FHS-Reife im dualen System Fragen/Diskussionspunkte: - Gleichwertigkeit von Berufsbildenden Inhalten oder Notwendigkeit zusätzlicher Module z.B. in Englisch, Mathe, Deutsch - Mögliche Zusatzinhalte Additiv (z.B. Sonnabend oder nach früherem Auslernen) oder integrativ im Unterricht BOS Einführung von BOS wurde nicht kontrovers diskutiert Anmerkung: die Fachgruppen müssen dringend das Gespräch miteinander suchen
Kurzprotokoll der Arbeitsgruppe „Übergangssytem“ Horst Linke stellt die Struktur und die Idee einer vollqualifizierenden Ausbildung im schulischen System mit Trägern und Betrieben dar. Diese wird Jugendlichen angeboten, die sich nach der Berufsorientierung für eine Berufsausbildung entschieden und keinen Ausbildungsplatz im dualen System gefunden haben. Der Einstieg ist ein Berufsqualifizierungsjahr an der Schule, dem ein zweites und drittes Jahr (dual, mit Trägern und Betrieben, s.o.) folgen. Jugendliche, die aufgrund sozialer Benachteiligungen und Beeinträchtigungen und fehlender Kompetenzen noch keine Ausbildung beginnen können, gehen in eine Ausbildungsvorbereitung. Parallel dazu wurde von Rolf Deutschmann die Struktur und das Prinzip der Produktionsschule dargestellt. Mit Nachfragen, Diskussionsbeiträgen und entsprechenden Ergänzungen konnten die Strukturen weiter vertieft werden. Als Fragen blieben offen: - Welche Berufe werden in diesem System angeboten? In diesem Zusammenhang wurde die Forderung bekräftigt, dass dieses System nicht die Priorität einer echten dualen Ausbildung verletzen darf. -Möglichkeiten an den beruflichen Schulen allgemeinbildende Abschlüsse (u.a. Realschulabschluss) zu erwerben? -Verändert/verschlechtert die Kooperation die Besoldungsstruktur. Aus dieser Frage wurden in der Arbeitsgruppe die Forderung nach einer einheitlichen, tariflichen Besoldungsstruktur und die Ablehnung von Besoldungsverschlechterungen abgeleitet. Weitere Forderungen: -O.g. System muss die Integration Behinderter und die Fortführung anerkannter und praktizierter pädagogischen Prinzipien der Förderpädagogik gewährleisten! In diesem Zusammenhang wurde konkret der Erhalt der BVtq mit Behinderten gefordert. -O.g. System und die genannten Kooperationen dürfen keine weiteren Privatisierungen der Berufsausbildung befördern. -Qualitätsanforderungen an die Träger. Manfred Gerl
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