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26.08.2008 Alte und junge LehrerInnen

Dramatische Entwicklung an Hamburgs Schulen
Zu hohes Durchschnittsalter
Hamburg hat heute – nach Bremen – das höchste Durchschnittsalter unter allen Lehrkräften: mehr als jede zweite Lehrkraft (55,2 Prozent) ist älter als 50 Jahre (siehe Abb. 1). Der Personalstrukturbericht 2007 kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2014 jeder dritte Lehrer (mehr als 35 Prozent aller Lehrkräfte, d. h. rund 5.500 LehrerInnen) an Hamburgs staatlichen Schulen - in den Ruhestand gehen wird. Kein Bereich des öffentlichen Dienstes kommt auch nur annähernd auf eine solche Quote.

Zu viele Fälle von Dienstunfähigkeit
Jede 4. Lehrkraft scheidet wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig aus - eine Quote, die in Hamburgs öffentlichem Dienst nur noch von den Strafvollzugsbeschäftigten über-troffen wird (Abb. 2 und 3). Gleichzeitig ist auch die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage unter Hamburgs LehrerInnen um fast 40 Prozent angestiegen – das entspricht insgesamt mehr als 226.000 Fehltagen oder fast drei Wochen pro Lehrkraft (Abb. 4)

Zu große physische und psychische Belastung
Klaus Bullan, Vorsitzender der GEW Hamburg: „ Der Lehrerberuf zehrt auf die Dauer an der Gesundheit. Niemand, der die Realität an den Schulen kennt - die zunehmen-de Arbeitsverdichtung, die gestiegene psychische und physische Belastung, die Hetze im Schulalltag und die gestiegenen Unterrichtsverpflichtungen bei steigenden Klassengrößen - wundert sich darüber, dass sehr viele Lehrer und Lehrerinnen nach 30 Berufsjahren – drastisch gesagt - auf dem Zahnfleisch aus dem Unterricht kriechen.“

Trotzdem: Keine Altersentlastung für Hamburger Beamte
Hamburg ist das einzige der 16 Bundesländer, in dem es weder eine Altersent-lastung noch eine Altersteilzeitregelung für beamtete Lehrkräfte gibt. Die rot-grüne Koalition in Hamburg schaffte im Jahr 2000 die Altersermäßigung mit der Begrün-dung ab, es gäbe ja noch die Altersteilzeitregelungen. Diese jedoch wurde bald darauf von der Schwarz-Schill-Regierung abgeschafft. Zusätzlich bescherte das Arbeitszeitmodell vielen älteren KollegInnen eine plötzliche Erhöhung der wöchent-lichen Unterrichtsstundenzahl um bis zu sechs Stunden. Bullan: „Heute haben die Lehrer und Lehrerinnen auf den letzten Metern ihres anstrengenden Berufslebens keine Aussicht mehr auf Entlastung. Das muss sich dringend ändern.


Lehrerarbeit: Nur in Teilzeit auszuhalten?
Der Bildungsbericht 2008 weist aus, dass der Anteil der teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte auch in Hamburg in den zurückliegenden zehn Jahren stets gestiegen ist (Abb. 5) Heute arbeiten nur noch 51 Prozent aller Hamburger Lehrerinnen und Lehrer in Vollzeit, auch weil sie keine Alternative sehen, wenn sie den Schulalltag gesund überleben wollen. Viele von ihnen zahlen einen hohen Preis in Form massiver Einkommenseinbußen und geringer Ruhestandsgehälter. Bullan: „Es ist ein Skandal, dass der Arbeitgeber, d. h. die Landesregierung, keine Arbeitsbedingungen garantieren kann, die allen KollegInnen ermöglicht, bis zur Pension Vollzeit zu arbeiten, ohne dabei dauerkrank zu werden.“

Im ersten Schritt eintausend neue Stellen...
Allein, um all diejenigen zu ersetzen, die in Ruhestand gehen, braucht Hamburg mindestens eintausend neue Lehrerstellen pro Jahr im Laufe der nächsten sechs Jahre. Im Schuljahr 2007/2008 wurden in Hamburg 570 Lehrerstellen neu besetzt. Eine Lehrerstelle kostet die Stadt im Durchschnitt rund 60.000 Euro im Jahr.

... und das wird noch lange nicht reichen!
Diese Rechnung berücksichtigt noch nicht die zusätzlichen Bedarfe, die durch Altersteilzeit, Reduzierung der Unterrichtsstunden, für kleinere Klassen und für die Schulreform mit Fortbildung und Konzeptarbeit auf Hamburg zukommen werden. Allein um die Verschlechterung aus den letzten Jahren zu kompensieren und die neuen Reformen bewältigen zu können, werden erheblich mehr Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen benötigt. Da die Schülerzahlen in Hamburg absehbar nicht sinken, ist auch von dieser Seite keine Entlastung zu erwarten. Bullan: „Wir schätzen, dass dafür weitere rund eintausend zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden müssen. Die Behörde hat nun die Aufgabe, die konkrete Zahl und den Finanzierungsaufwand zu berechnen und Lösungen zu finden.“

Mehr Einstellungen von jungen Lehrkräften
Zur Erinnerung: Bis 2014 werden rund 5.500 LehrerInnen in den Ruhestand gehen.
Um die Lücke zu schließen, müssen die Referendarsplätze massiv erhöht werden. Zur Zeit werden rund 200 neue Referendare und Referendarinnen pro Einstellungs-termin (Mai und November) in Hamburg neu eingestellt. Gerade angesichts der anstehenden Schulreform werden junge Kräfte dringend benötigt. „Gute Schule ist auch eine Mischung aus Erfahrung und frischem Wind.“ Die Arbeit an den Schulen und auch der Unterricht werde davon profitieren, wenn Alte entlastet und Junge eingestellt werden, stellt Bullan klar: „Wir brauchen eine bessere Mischung von LehrerInnen aller Altersgruppen und die Chance für die Jungen auf eine Arbeit, den sie lange und mit Freude tun können.“

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